Alternative Hausschwammbekämpfung aus der Sicht des Sachverständigen

Einleitung

In den letzten Jahren werden immer mehr „alternative Sanierungen“ für Echten Hausschwamm angewendet. Dabei spielt für die Sachverständigen, die solche Sanierungen empfehlen, die Haftung eine große Rolle. Der Verfasser befasst sich mit alternativen Hausschwammbekämpfungen seid ca. 1990. Nachfolgend berichtet er von den verschiedenen alternativen Sanierungen, die er bisher erfolgreich für die Anwendung empfohlen hat.

Lebensbedingungen des Echten Hausschwamms

Es soll hier nun nicht in allen Einzelheiten auf die Lebensbedingungen des Echten Hausschwamms (nachfolgend einfach Hausschwamm genannt) eingegangen werden, dazu wird auf das allgemein bekannte Buch von Dr. Huckfeldt (Hausfäule- und Bauholzpilze, 2005, Müller Verlag) hingewiesen. Aber einige Gedanken dazu müssen aufgezeigt werden, um die Vorgehensweise des Verfassers zu erklären und zu verstehen.

Die Grundvoraussetzung für das Wachstum von Hausschwamm ist Feuchtigkeit. Ohne Feuchtigkeit gibt es auch kein Hausschwammwachstum.

Zwar ist der Hausschwamm nicht in der Lage, Luftfeuchte zu kondensieren, um sich die Feuchtigkeit aus der Umwelt zu beschaffen, aber beim Zerstören von Holz entsteht als Abbauprodukt ebenfalls Wasser. Das führt zu den sog. Guttationstropfen, von denen der Hausschwamm seine lateinische Bezeichnung hat.

Wird Hausschwamm gefunden, muss erst einmal unterschieden werden, ob das Umfeld im Bereich des Hausschwammwachstums feucht oder trocken ist. Wenn es feucht ist, ist von aktivem Hausschwammbefall auszugehen.

Wenn das Mauerwerk trocken ist und keine durchgängigen Pilzgeflechtsstrukturen mehr erkennbar sind, das befallene Holz trocken ist und z. B. auch keine Fruchtkörper mehr sichtbar sind, dann besteht der Verdacht, dass der Hausschwamm sein Wachstum eingestellt hat und entweder sich in Trockenstarre befindet oder bereits abgestorben ist.

Beim langsamen Austrocknen der Wand entstehen die Arthrosporen, die ein deutlich schnelleres Keimen bei Befeuchtung bewirken als die üblichen aus dem Fruchtkörper stammenden Sporen. Aus der Sicht des Verfassers wird aber die Gefahr der Arthrosporen überschätzt, dem Verfasser sind nur ganz wenige von ihm empfohlene alternative Sanierungen bekannt, wo nach jahrelangem Feuchtigkeitseinfluss (war bei der Beratung zur Sanierung ausgeschlossen worden) dann wieder eine Keimung aufgetreten ist. Generell besteht aber diese Gefahr.

Frau Dr. Theden hat 1972 (Das Absterben Holz zerstörender Pilze in trockenem HolzMat.Org 7, S 1-10) veröffentlicht, dass nach ihren Versuchen nach zwei Jahren in trockenem Holz Hausschwamm beim Befeuchten nicht wieder ausgekeimt ist. Ähnliche Erfahrungen hat der Verfasser vor Ort an unterschiedlichen Baustellen gemacht.

Jedes Hausschwammvorkommen in unterschiedlichen Gebäuden ist in Nuancen anders. Die Grundbedingung für ein aktives Hausschwammwachstum ist und bleibt Feuchtigkeit, wie bereits weiter oben angesprochen. Deshalb unterscheidet der Verfasser bei seinen Untersuchungen nicht nur die Art des Hausschwammes und den Befallsumfang, sondern das wichtigste Kriterium ist die Frage, wird noch Wasser zugeführt, woher wird Wasser zugeführt und wie ist es möglich, dieses Gebäude so zu trocknen, dass die Baustoffe möglichst schnell die Feuchtigkeit verlieren.

In den letzten Jahren setzt sich auch immer mehr die Erkenntnis durch, dass Hausschwamm sehr zugluftempfindlich ist und es gibt genügend Berichte darüber, dass bei watteartigem Luftmyzel, das der Zugluft ausgesetzt wird, eine Rückentwicklung zu beobachten ist und nach 1-2 Wochen von dem Hausschwammgeflecht an der Holzoberfläche praktisch nichts mehr erkennbar ist. Auch das ist bei der Untersuchung eines Hausschwammbefalls zu berücksichtigen.

Die Ausbreitung des Hausschwamms im Mauerwerk ist ein besonders Kapitel, das direkt mit den Lebensbedingungen des Hausschwamms in Verbindung steht.

Hausschwammgeflechte entziehen dem Mauerwerk Feuchtigkeit, lagern aber das Abbauprodukt Oxalsäure im karbonatisierten Kalk der Wand ab. Demnach ist Hausschwamm immer dort sehr häufig zu finden, wo Kalk als Bindemittel im Mörtel eingesetzt wurde. Das sind erfahrungsgemäß Ziegelsteinbauten vor 1930. Erst ab dieser Zeit hat sich die Anwendung von Zement als Bindemittel mehr und mehr durchgesetzt.

Interessant ist auch die Beobachtung in der Praxis, dass der Hausschwamm sowohl im Anfangsstadium als auch im fortgeschrittenen Stadium sehr schnell auf die Veränderung der Umweltbedingungen reagiert. Stoffwechselstörungen werden durch Veränderung der Farbe angezeigt. Auch das ist ein Hinweis darauf, dass z. B. der Hausschwamm noch aktiv ist.

Unverständlich ist aber die Praxis einiger Sachverständiger, die aus einem 2-5 mm langen vereinzelt im Mörtel vorkommenden Geflechtstück eine Riesenpanik verursachen und auf dieser Basis bei trockenem Mauerwerk zu einer umfangreichen Bohrlochtränkung der Wand raten. Auch die damit einsetzende Untersuchungswut ist nicht berechtigt, das WTA-Merkblatt Hausschwamm gibt eindeutige Hinweise, was z. B. bei Decken auf ein Pilzwachstum hinweist (das auch ein Hausschwammwachstum sein kann). Häufig lassen sich umfangreiche Freilegungen durch logisches Denken vermeiden. Letztendlich sieht die Praxis doch so aus, dass der unwissende Gebäudeeigentümer dem Untersuchenden (und damit dem Sanierenden) erst einmal hilflos ausgeliefert ist. Das ist nicht immer so, aber es kommt häufiger vor und ist auch regional unterschiedlich anzutreffen.

Um 1990 war der Feuchtigkeitsgehalt in der Wand, den der Hausschwamm zum Leben braucht, nicht näher benannt. Es gab zwar Hinweise von Rypácek (1965, deutsche Übersetzung aus dem Tschechischen), dass der Hausschwamm mit recht geringen Feuchten in der Wand und dem Holz auskommt, aber prozentuale Angaben sind nicht bekannt gewesen.

Also wurden, bewaffnet mit CM-Messgerät, alle möglichen Schwammvorkommen feuchtetechnisch untersucht. Danach stellte sich für den Verfasser heraus, dass Feuchtigkeiten in Ziegelsteinmauerwerk von 3-5 % über der normalen Ausgleichsfeuchte (1 %) für den Hausschwamm zum Leben ausreichend waren. Höhere Feuchten in der Wand, z. B. um 15 %, haben das Hausschwammwachstum nicht unterstützt. Es hatte sogar den Anschein, dass bei einer weiteren Auffeuchtung einer vormals geringen Feuchtigkeit in der Wand der Hausschwamm sein Wachstum einstellt.

Die Messorgien wurden mehrere Jahre bei entsprechenden Gebäudeuntersuchungen durchgeführt. Der Verfasser hat es damals versäumt, eine genaue Buchführung für die Messungen anzulegen. Entstanden ist letztendlich nur ein Gefühl für den Umgang mit Hausschwamm auf und in feuchten Wänden, auch in Abhängigkeit davon, um welchen Wandaufbau es sich handelt.

Auf der anderen Seite verführen solche Messwerttabellen für unterschiedliche Mauerwerke letztendlich auch weniger erfahrene Sachverständige zu deren Anwendung. Aus der Sicht des Verfassers ist das sehr gefährlich, wenn lediglich Messwerte übernommen werden ohne eigene Erfahrung vorzuweisen.

Jeder Sachverständige muss praktisch für sich einen Weg finden, wie er mit den unterschiedlichen Stadien des Hausschwammes umgeht und wie er sie erkennt. Hier spielt die persönliche Erfahrung eine große Rolle. Daher ist es auch sinnvoll, dass ältere den jüngeren Sachverständigen darüber berichten, welche Erfahrungen vorliegen. Labortests sind auch nicht immer wirklich hilfreich für die Praxis.

Technische Grundlage der Hausschwammsanierung

Wie bereits im vorhergehenden Kapitel festgestellt benötigt der Hausschwamm Wasser, kann aber auch in gewissem Umfang Feuchtigkeit beim Abbau des Holzes erzeugen. Bei aktivem Hausschwamm ist deshalb bei der Sanierung große Vorsicht geboten.

Die wichtigste Forderung der Hausschwammsanierung im Mauerwerk ist, dass nach der Sanierung keine Feuchtigkeit mehr in der Wand ist und keine Feuchtigkeit mehr zugeführt wird. Kann ein solches Mauerwerk nicht hergestellt werden, darf kein Holz mehr eingebaut werden.

Schwieriger wird es mit Mauerwerk, das vom Hausschwamm durchsetzt ist und trocken ist. Warum ist keine Feuchtigkeit mehr vorhanden? Erst wenn diese Frage geklärt werden kann, kann auch über die Sanierung nachgedacht werden. Kann in einem solchen Mauerwerk, bei dem nicht klar ist, warum die Feuchtigkeit nicht mehr vorhanden ist, erneut Feuchtigkeit einwirken, dann kann der Hausschwamm auch weiterwachsen. Niemand kann am trockenen Mauerwerk feststellen, wie lang die Feuchtigkeit beseitigt ist. Gerade bei dicken Wänden gibt es das Problem, dass die Wand im Inneren sehr langsam abtrocknet, manchmal über Jahre und solange wird der Hausschwamm dort in lebensfähiger Form vorliegen.

Eine erneute Wasserzufuhr bei einem solchen Mauerwerk führt dazu, dass sich der Hausschwamm praktisch gesehen an sich selbst weiter ausbreitet, das heißt also, einen Teil seines Geflechtes auflöst und an einem anderen Ende des Geflechtes anlagert, um sich so in der Wand zumindest begrenzt ausbreiten zu können. Am wichtigsten ist daher die möglichst schnelle Beseitigung von Feuchtigkeit. Je schneller ein Mauerwerk trocknet, umso geringer ist die Gefahr, dass der Hausschwamm Arthrosporen ausbildet. Wenn zudem noch für die Austrocknung der Wand Hitze eingesetzt wird (konvektive Trocknung, Infrarottrocknung, Mikrowellentrocknung), wird der Hausschwamm auch über seine Hitzeempfindlichkeit abgetötet, so dass nach einer solchen Sanierung der Hausschwamm tatsächlich tot in der Wand ist.

Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass in einer nassen Wand eine Bohrlochtränkung dem Hausschwamm letztendlich nichts anhaben kann. Zwar verhindert diese Bohrlochimprägnierung erst einmal das weitere Ausbreiten des Hausschwamms, aber je nach Feuchtegehalt und Beschaffenheit des Mauerwerks kann sich das Schwammsperrmittel in der Wand verdünnen und magert so ab, dass die Wirksamkeitskonzentration in der Wand unterschritten wird. Aus der Sicht des Verfassers ist daher die chemische Bohrlochtränkung in der Wand ohne begleitende Maßnahmen äußerst fraglich für einen umfassenden Erfolg.

Die Forderung aus der Sicht des Verfassers bei der Schwammsanierung lautet, dass die Feuchteursache gefunden wird, abgestellt wird und möglichst schnell das Mauerwerk getrocknet wird. Ähnlich sieht es beim Holz aus.

Wenn Hausschwamm auf dem Holz wächst und die Verbindung des Hausschwamms zum feuchten Mauerwerk unterbrochen wird, dann kann der Hausschwamm nur so lange wachsen, wie das Holz noch genügend Feuchtigkeit aufweist. Wird aber auch das Holz möglichst schnell getrocknet, hört der Hausschwamm auch hier auf zu wachsen. Wird mit Hitze getrocknet, dann wird der Hausschwamm dabei auch auf dem Holz abgetötet.

Die Herausforderung ist, schon bei der Untersuchung zwischen Mauerwerk und Holz zu unterscheiden und tatsächlich auch alle Holzvorkommen in der Wand zu klären. Dabei spielt das Alter eines Gebäudes eine wesentliche Rolle, da je nach Erstellungszeit unterschiedliche Gepflogenheiten am Bau geherrscht haben. So wurden z. B. um 1850, weil Bohrmaschinen noch nicht so weit verbreitet waren, zur Befestigung von Bildern an der Wand Holzdübel in das Fugennetz des Mauerwerks eingefügt, damit ein Bild mit einem einfachen Nagel aufgehängt werden konnte. Wird dieser Holzdübel übersehen und die Wand soll natürlich trocknen gelassen werden, kann an dieser Stelle Hausschwammbefall weiter wachsen, bis die Wand ausreichend getrocknet ist.

Gesetzliche Grundlagen der Hausschwammsanierung

Der Sachverständige schuldet dem Auftraggeber den Erfolg. Er geht einen Werkvertrag ein. Im Sinne des Werkvertrages schuldet er nicht die Erfüllung der Norm (Vortrag RA Rüsch, HFN 2013, Die Haftung des Planers, Ausführenden und Sachverständigen für Beratungsleistungen).

Gemäß Werkvertrag ist er verpflichtet, eine funktionierende Sanierung zu empfehlen. In diesem Wortspiel gibt es keine Alternative, somit ist der Begriff „alternative Schwammsanierung“ eher falsch gewählt und nur ein Synonym dafür, dass nicht die Regelsanierung eingesetzt werden soll. Der Sachverständige ist immer verpflichtet, eine funktionierende Sanierung zu empfehlen, egal ob sie in der DIN verankert ist oder nicht.

Zu diesem Themenkomplex gibt es das Meersburg-Urteil (vom 22.05.1987: Bundesverwaltungsgericht, Aktenzeichen-4C-33-35/83). Umgesetzt auf eine Hausschwammsanierung sagt es aus, dass in dem Fall, wo eine Sanierung nicht nach Norm aber erfolgreich durchgeführt wurde, der Auftrag erfüllt ist. Das trifft letztendlich auch auf den Anwender zu. Wurde eine Sanierung nach DIN empfohlen und hat diese Sanierung nicht funktioniert, ist der Auftrag nicht erfüllt. Wird ein Gebäude veräußert, in dem erfolgreich, aber nicht nach DIN saniert wurde, dann hat der Käufer kein Recht, eine DIN-Sanierung zu verlangen. Hier sei die Frage erlaubt, wo denn jetzt noch in diesem Rechtsbeispiel die DIN-Norm einzustufen ist. Es gibt zwar ein neueres Urteil vom BGH (, VII ZR 75/03), darin geht es aber mehr um die Abrechnung.

In der DIN 68 800 beschränkt sich die Beschreibung der Hausschwammsanierung letztendlich nur auf ein Ziegelsteinmauerwerk, bevorzugt einschalig. Die Regelsanierung sagt aus, dass eine Bohrlochtränkung durchzuführen ist. Wenn aber eine Bimswand vorhanden ist, ist mit einer Bohrlochtränkung nichts zu erreichen.

Viel wichtiger ist aber die Aussage der DIN, welche Randbedingungen bei der Schwammsanierung zu erfüllen sind. Dort wird in der Ausgabe von 2012 sehr deutlich auf den Feuchtegehalt der Wand hingewiesen. Unter anderem wurde auch die Forderung aufgenommen, dass nach der Schwammsanierung das Mauerwerk unverzüglich zu trocknen ist.

Unter der Voraussetzung des Werkvertrages schuldet der Sachverständige nicht die Erfüllung der Norm, sondern er schuldet eine erfolgreiche Sanierung. Hinsichtlich der Haftpflichtversicherung hat das gravierende Auswirkungen. Wenn der Haftpflichtversicherung nicht klar ist, dass der Sachverständige den Erfolg schuldet und die Haftpflichtversicherung von der Erfüllung der DIN ausgeht, sollte die Haftpflichtversicherung gewechselt werden. Der Verfasser ist bei HDI/Gerling-Konzern versichert und von dort wurde ihm auf seinen Hinweis hin, dass er sich mit alternativen Sanierungen befasst, eindeutig mitgeteilt, dass das nicht zu einer Erhöhung der Versicherungsprämie führt, weil nämlich der Sachverständige nicht verpflichtet ist, die DIN zu erfüllen, sondern den Werkvertrag zu erfüllen, also eine erfolgreiche Sanierung zu empfehlen.

In den Anfangsjahren hat sich der Verfasser mit vielen großen Objekten befasst, bei denen neuere Sanierungsverfahren ausgetestet wurden. Es wurde ein Gutachten erstellt, die Sanierung beschrieben, parallel dazu die DIN-Sanierung beschrieben und das Für und Wider gegeneinander abgewogen.

Der Bauherr wurde dahingehend beraten, dass es die Möglichkeit gibt, den Sachverständigen als Bauleiter zu verpflichten und über eine Bauleiter-Haftpflichtversicherung wurde dann dieses Objekt abgedeckt. Der Versicherung wurden zur Ermittlung des Beitrages die Unterlagen zur Verfügung gestellt und sie hat dann mit eigenen Fachleuten geprüft, wo das Risiko liegt. Üblich waren Versicherungsbeiträge zwischen 2.000 und 6.000 DM, wobei bei 6.000 DM ein geschätztes Sanierungsvolumen von 2,3 Mio. Schweizer Franken vorlag. Das waren alles überschaubare Preise, die der Bauherr gerne bezahlt hat, wenn er bei der empfohlenen (alternativen) Sanierung 20.000 DM oder 30.000 DM, im Falle des Schweizer Beispiels 1,7 Mio. Schweizer Franken gespart hat.

In den heutigen Versicherungen der Sachverständigen sind die baubegleitenden Leistungen mit enthalten. Wenn es hier unklare Situationen gibt, ist dringend eine Klärung mit der Versicherung notwendig. Der Verfasser hat aus diesem Grund auch seinen ursprünglichen Versicherer (Viktoria-Versicherung) gewechselt, weil dort nicht die Bereitschaft bestand, erfolgreiche Sanierungsempfehlungen zu versichern, sondern lediglich DIN-basierte.

Im Falle eines Streites sollten daher im Gutachten des Sachverständigen nicht nur das alternative Verfahren, sondern auch das DIN-Verfahren aufgeführt sein und es sollten Vor- und Nachteile dargestellt werden. Wichtig ist, dass nicht der Sachverständige das alternative Verfahren empfiehlt, sondern dass der Bauherr die Entscheidung trifft (siehe Vortrag RA Rüsch). Auch der möglicherweise vorhandene Architekt sollte sich aus dieser Entscheidung heraushalten, dem Bauherrn muss klar sein, was er will. Das mindert auch deutlich die Klagefreudigkeit des Bauherrn.

Aus eigener Erfahrung kann der Sachverständige berichten, dass es von 1990 bis jetzt maximal fünf Fälle gab, wo Bauherren auf die Idee kamen, den Sachverständigen nachträglich gerichtlich zu belangen wegen irgendwelcher Vorkommnisse nach der Sanierung mit dem Echten Hausschwamm. Bei näherer Betrachtung waren aber bestimmte Forderungen aus dem Gutachten nicht erfüllt oder nachträgliche Feuchtequellen eingetreten. Bis heute musste die Versicherung des Sachverständigen keine fehlgegangene Sanierung bezahlen.

Das Regelverfahren

Nach dem Regelverfahren wird die Wand vom Putz befreit, wenn sie befallen ist. Eine Sicherheitszone von 1,5 m ist einzuhalten. Das Holz wird ausgebaut mit einer Sicherheitszone von 1 m (am Holz). Im befallenen Bereich der Wand muss das Holz aus der Wand entfernt werden mit einer Sicherheitszone von 1,5 m.

Anschließend wird die Wand abgeflammt, eine Bohrlochimprägnierung durchgeführt und die Wandoberfläche eingesprüht. (Das Auskratzen der Fugen steht nicht in der DIN 68 800.) Dann sagt die DIN aus, dass danach unverzüglich zu trocknen ist. Dann wird Holz eingebaut, wobei es ratsam ist, unabhängig von DIN 68 800 Teil 1 und Teil 2, die eingebauten Hölzer grundsätzlich zu imprägnieren. Das ist ganz besonders dann wichtig, wenn noch Restfeuchten in der Wand vorhanden sind.

Eine Bohrlochimprägnierung ist nicht möglich bei Bims, Porenbeton, Schieferbruchstein, dicken Bruchsteinwänden mit getrennten Schalen, Hochlochziegeln usw. Hier versagt die Regelsanierung. Deshalb ist es gar nicht möglich, die DIN 68 800 Teil 4 bezüglich der Schwammsanierung im genauen Wortlaut der DIN auf alle Objekte zu übertragen.

Die chemischen Mittel werden aus der Sicht des Verfassers etwas in ihrer Wirkungsweise überschätzt und auch die Dauerhaftigkeit nicht genau geprüft. Durch die jahrelange Tätigkeit bei Holzschutzmittelherstellern sind genügend Reklamationen für Schwammsperrmittel bekannt. Allein der Begriff „Schwammsperrmittel“ zeigt schon, dass der Hausschwamm durch die chemischen Mittel nicht abgetötet wird.

Mit der früher lieferbaren Raco-Paste der Firma R. Avenarius & Co. aus Gau-Algesheim gab es keine Beanstandungen. Dieses Mittel war sehr stark alkalisch und durch die Imprägnierung der Wand wurde die Alkalität in die Wand übertragen. Mit dem heutigen Wissen um Hausschwammsanierung geht der Verfasser davon aus, dass die positive Wirkungsweise nicht allein auf das Pentachlorphenol, sondern auch auf die starke Alkalität zurückzuführen war.

Quads oder Borverbindungen bleiben in der Wand löslich. In den technischen Merkblättern steht sinngemäß, dass die Schwammsanierung mit diesen Produkten nur dann funktioniert, wenn die Wand getrocknet wird und trocken beibehalten wird. Dann erst sind die Mittel in der Lage, das Wachstum des Hausschwamms zu behindern.

Das heißt, dass auch die chemischen Mittel darauf angewiesen sind, dass anschließend nach der Sanierung die Wand trocken ist. Mit dem Hinweis in der Norm, dass nach der Bohrlochtränkung die Wand unverzüglich zu trocknen ist, ergeben sich dann völlig neue Schwammbekämpfungsstrategien.

Die Schwammsanierung funktioniert allein über die Trocknung, wie hier an verschiedenen Beispielen dargestellt ist. Insofern ist die als Regelverfahren beschriebene Methode der Bohrlochtränkung und Oberflächenbehandlung aus der Sicht des Verfassers fraglich, wenn nicht sogar überflüssig. Es gibt tatsächlich nur ganz wenige Schwammvorkommen, wo mit einer Bohrlochtränkung sinnvoll eine Sanierung gegen den Hausschwamm durchgeführt werden kann.

Aushungerverfahren

In der DIN gibt es den Hinweis für den Fall, dass eine Hausschwamm befallene Wand getrocknet wird, trocken beibehalten wird und kein Holz mehr eingebaut wird, auf eine Bohrlochtränkung zu verzichten. Das ist schon einmal ein sehr deutlicher Hinweis darauf, dass die Bohrlochimprägnierung bei Hausschwamm nicht ein unbedingtes Muss ist.

Ausgehend von dieser Regelung hat der Verfasser bei dickeren Ziegelsteinwänden Hausschwamm befallene Balkenköpfe abgeschnitten und die Auflage in der Wand des restlichen Balkens mit Stahl vorgenommen. Damit war kein Holz mehr in der Wand eingebaut, die Wand wurde getrocknet und anschließend verputzt. Auf eine Bohrlochtränkung wurde verzichtet. Schäden in diesem Bereich durch Hausschwamm sind nicht zu erwarten.

Selbst bei trockenen dicken Ziegelsteinwänden hat der Verfasser diese Stahlanlaschungen benutzt, um auf eine mögliche Bohrlochtränkung zu verzichten. Hier bestand die Gefahr, dass die Wand innen noch nicht lange genug trocken war und der Hausschwamm sich noch in Trockenstarre befand. Da in diesem Fall der Bauherr sowieso davon ausging, dass eine Bohrlochtränkung auch allein wegen der Anwesenheit von Hausschwamm durchgeführt werden müsse, war er über eine solche Maßnahme hinsichtlich der Kosten sehr erfreut.

In früheren Zeiten wurden vom Verfasser solche Bauwerke regelmäßig kontrolliert, je nach Nutzung. Waren es Mietwohnungen, dann wurde zum Schluss der Heizphase eine Begehung durchgeführt. Bei Baudenkmälern wurden Begehungen immer dann durchgeführt, wenn der Verfasser in der Nähe war, um zusätzliche Überprüfungskosten einzusparen.

Bei diesem Verfahren des Aushungerns ist es wichtig, dass keine Holzreste in der Wand verbleiben. Zu Holzresten gehören auch Fenster. Deshalb lassen sich z. B. im denkmalgeschützten Bau mit einer solchen Maßnahme dem Bauherrn höhere Kosten sparen.

Sind Holzfenster vorhanden (nachträgliche Befallsgefahr), werden sie durch Kunststofffenster ersetzt. Bautechnisch ist das durchführbar, in den meisten Fällen ist das der Denkmalpflege auch zu vermitteln. Andernfalls sind etwas längere und heftigere Diskussionen notwendig, um die Denkmalpflege von der Notwendigkeit der Kunststofffenster zu überzeugen. Sicher gibt es auch hier Ausnahmen, aber im normalen Wohnungsbau in denkmalgeschützten Gebäuden konnten bisher in 95 % der Fälle Kunststofffenster eingebaut werden.

Künstliches Austrocknungsverfahren

Dieses Verfahren lässt sich im Wohnungsbau häufig erfolgreich einsetzen. Verwendet werden Infrarotstrahler oder Mikrowellengeräte. Eine vom Schwamm durchwachsene Wand wird aufgewärmt auf mindestens 50 °C für 20 min. Hat z. B. eine Ziegelwand 50 °C erreicht, ist sie in aller Regel komplett trocken. Das muss gemessen werden. Hier wird mit dem CM-Messgerät vor Beginn der Sanierung die Feuchtigkeit bestimmt. Nachdem die 50 °C erreicht sind, kann eine weitere Messung durchgeführt werden. Der Restfeuchtegehalt sollte bei 2 % liegen, 3 % ist auch noch möglich. Unsinnig ist, die Wand mit diesem Verfahren auf 0,5 % zu trocknen. Das kostet zuviel Energie.

Trocknung der Wand mit mikrowellen

Das Verfahren funktioniert nicht nach dem System der Abtötung des Hausschwamms nur mit Hitze, weil dann höhere Temperaturen benötigt werden. Das Verfahren ist eine Kombination von Austrocknung des Mediums und Hitzebehandlung. Der Verfasser hat mit dieser Methode in den letzten Jahren mindestens 10 Objekte behandeln lassen, das erste bereits im Jahr 2004 in Hamburg. Schäden sind bisher nicht wieder aufgetreten. Es gab auch keine neu aufgetretene Feuchtigkeit.

Wirtschaftlich gesehen ist dieses Verfahren wesentlich teurer als die Bohrlochtränkung. Der Vorteil liegt in den Nebenkosten. In aller Regel muss die Wohnung nicht geräumt werden. Je nach Mauerwerksaufbau muss auch nicht jeder Putz beseitigt werden. Wie bei den zuvor genannten Verfahren auch sind durch Zimmerleute die zerstörten Holzkonstruktionen wieder herzustellen.

Wie bei allen Schwammsanierungsverfahren ist es auch hier notwendig, die Feuchtigkeitsquelle abzustellen. Ansonsten feuchtet die Wand wieder auf. Das bedeutet nicht, dass deshalb der Schwamm wieder auflebt, aber es ist möglich, dass am Holz anhaftende Sporen langfristig gesehen wieder keimen können. Dem Verfasser ist von den selbst begleiteten Objekten keins bekannt, wo der Hausschwamm nach der Hitzebehandlung mit den hier genannten Werten wieder aufgelebt ist.

Diese Technik funktioniert überall dort, wo über Kapillarsysteme Feuchtigkeit getrocknet werden kann. Diese Methode funktioniert z. B. nicht bei Lehmsteinen, Lehmfachwerk oder Porenbeton. Sind diese Systeme nass, lassen sie sich nicht mit vertretbarem Aufwand trocknen.

Heißluftmethode

Diese als Sonderverfahren neu in die DIN aufgenommene Methode beruht auf der Abtötung des Hausschwamms durch höhere Temperaturen. Dabei spielt die Verweildauer des Pilzgeflechts in der Wärme eine wesentliche Rolle.
Im DIN-Arbeitskreis wurden die vielen Varianten, die es bei der Erzeugung von Heißluft gibt, nicht ausgiebig diskutiert. Das führte dazu, dass die Heißluftmethode mit dem Hinweis auf Fachleute mit Erfahrung eingeführt wurde.

Wenn Propangas verbrannt wird, entsteht aus 1 kg Propangas 1,6 kg Wasser. Wenn Heizöl verbrannt wird, entsteht aus 1 kg Heizöl ungefähr die gleiche Menge Wasser. Wird mit einer solchen direkten Heizung ein geschlossener Raum beheizt, indem die Verbrennungsgase in diesen Raum hineingeblasen werden, erhöht sich die Feuchtigkeit in diesem Raum. Bei kalten Wänden kann das zur Kondensatbildung führen. Je höher die Temperatur, umso größer wird die Kondensatmenge.

Da aber bei einer reinen Heißluftmethode, also dem Verfahren mit dem Einblasen der Verbrennungsluft, ein Überdruck im Gebäude entstehen würde, wird häufig die überschüssige warme Luft durch den First abgeleitet. Jetzt muss mit entsprechenden Vorrichtungen dafür Sorge getragen werden, dass die eingeblasene warme Luft sich möglichst gleichmäßig überall verteilt. Das wird mit Folien, mit Verkleidungen und mit zusätzlichen Schläuchen vorgenommen. Hier sind sehr unterschiedliche Methoden möglich.

Schwierig wird es im Traufbereich. Hier kommt häufig durch die Sogwirkung kalte Luft in das Gebäude, besonders dann, wenn dieser Bereich nicht zusätzlich außen abgedichtet wird.

Ein anderes Verfahren ist, heiße Luft von mehreren 100 °C direkt aus einer Verbrennung mit blauer Flamme mit kalter Luft in einen großen Behälter zu mischen und dann ein Verbrennungsluft/Frischluft-Gemisch mit etwa 120 °C in das Gebäude einzuleiten. Diese Methode wird auch von einigen Firmen betrieben. Auch hier wird im gleichen Verhältnis wie zuvor benannt, Feuchte in das Gebäude eingeleitet.

Es gibt nur sehr wenige Heißluftanwender, die eine geregelte Rauchgasführung in ihren Geräten eingebaut haben. Das sind meist leistungsfähige Brenner, die auf einem Anhänger oder einem kompletten Lastwagen installiert sind. Erkennbar sind solche Vorrichtungen daran, dass an den Gehäusen ein Schornstein aufsteigt, aus dem die Verbrennungsluft entweicht. Über einen Wärmetauscher wird frische Luft aufgeheizt und in das Gebäude eingeleitet. Bei dieser Methode wird kein Wasser zugeführt.

Heißluftanwendung gegen Hausschwamm

Soll Hausschwamm z. B. in einem Fachwerkhaus bekämpft werden, ist die Funktion noch einigermaßen einleuchtend. Durch die Hitzeentwicklung ähnlich der Heißluftmethode zur Bekämpfung von Insekten werden das Holz und die Ausfachungen aufgeheizt und der Hausschwamm abgetötet. Je nach verwendeter Heißluftmethode wird zusätzlich eine Trocknung herbeigeführt. Häufig wird hier das Argument gebracht, dass mit einer Heißluftanwendung Steine nicht aufgeheizt werden können. Das ist dem Grunde nach falsch.

Ob ein Stein oder ein Mauerwerk warm wird hängt davon ab, wie lange die Wärme einwirken gelassen wird. So ist z. B. bei einer 24 cm dicken Ziegelsteinwand eine Erwärmung im Kern der Wand auf 80 °C möglich, wenn über 3-4 Tage Luft von 120 °C diese Wand umgibt. Handelt es sich nur um eine einzelne Wand, ist das mit Sicherheit unwirtschaftlich.

Handelt es sich aber um ein z. B. dreigeschossiges Gebäude, in dem über die gesamte Höhe des Gebäudes Hausschwamm gewachsen ist und nur an einigen Stellen eine Holzbalkendecke stärker geschädigt ist, dann lässt sich das rechnen. Das Gebäude wird eingepackt und mit Heißluft erwärmt. Hier wird vom Verfasser die Methode mit getrennter Rauchgasführung bevorzugt. Durch die Erwärmung wird gleichzeitig die Wand getrocknet und das Ergebnis ist nach etwa zwei Wochen Heizung ein trockenes Haus, ein abgetöteter Schwamm, getrocknete Holzbalken und die Möglichkeit, sofort weiterzuarbeiten ohne eine Trocknung der Bohrlochtränkung vornehmen zu müssen.

Eine Hausschwammsanierung in einem Ziegelsteingebäude nach dieser Methode hat der Verfasser noch nicht durchführen lassen. Hier gibt es ja auch die Möglichkeit, über das Vermeiden von Holz in der Wand die ganz normale Technik des Aushungerns anzuwenden. Zwar ist davon die Wand erst einmal nicht trocken, aber auch der Hausschwamm hat ohne Holz keine Chancen zu leben. Bei Fachwerkhäusern wurde diese Methode schon mehrfach vom Verfasser empfohlen und auch bauaufsichtlich begleitet.

Natürliche Austrocknung durch Zugluft

Diese Methode benötigt sehr viel Zeit und kann überall dort eingesetzt werden, wo eine Nutzung des Gebäudes nicht ansteht. Das sind in aller Regel Baudenkmäler.

Empfohlen wurde dieses Verfahren an mehreren Kleinobjekten, bei denen keine Nutzung anlag. Prominentestes Objekt ist das Schloss Türnich bei Kerpen. Hier war das Dach undicht und es wuchs Schwamm. Da der Stadt ohne Nutzungskonzept die sofortige Sanierung des Gebäude zu aufwändig war, sollte nur gesichert werden, dass der Hausschwamm nicht weiter wächst. Es wurde eine Methode gesucht, die die Wandtrocknung einleitet, ohne dass dafür größere Aufwendungen notwendig sind.

Computersteuerung Schloss Tuernich

Verwendet wurde ein Computer, der die Außenluftfeuchte und Temperatur misst und im Innenbereich die Wandtemperatur und die Luftfeuchte. Ergibt sich aus diesen Werten ein Trocknungseffekt, steuert der Computer Servos an, die die Fenster öffnen. Das funktioniert Sommer wie Winter, Tag und Nacht. Eine solche Messeinrichtung für dieses Schloss mit ca. 20 Servos kostete ungefähr 20.000 Euro + Unterhaltskosten, die nicht näher bekannt sind.

Das Ergebnis ist nach fünf Jahren, dass der Hausschwamm aufgehört hat zu wachsen, sich nicht weiter ausbreitet. Die Außenwandstärke liegt zwischen 24 und 80 cm, je nachdem, in welchem Geschoss die Wand betrachtet wird und ob es sich um Fensternischen handelt.

Letztendlich ist diese Methode auch eine reine Austrocknungsmethode, wobei aber hier die Zugluft verwendet wird, um die Trocknung langsam vorzunehmen.

Nachteilig ist bei dieser Methode, dass diese Arthrosporen in der Wand gebildet werden können. Vorteil ist, dass nur sehr geringe Kosten auftreten. Wenn dann eine Nutzung für das Gebäude feststeht, kann entsprechend geprüft werden, ob es noch Aktivitäten des Hausschwamms gibt und ggf. können dann weitere Methoden angewendet werden.

Wandtemperierung

Die ersten Versuche in dieser Richtung mit Hausschwamm wurden bei einer Stuckdecke im Jagdschloss in Wabern durchgeführt. Das war 1993. Seinerzeit wurde ein Zwickel erwärmt, um im Winter Kondensat zu vermeiden. Raumseitig handelte es sich um das Stuckgewölbe des Jagdsaals, also ein sehr wichtiges Zeitdokument in diesem Gebäude.

Daraus entwickelten sich verschiedene Varianten der Wandtemperierung. Einmal ist es möglich, mit der Wandtemperierung das Wasser soweit wegzudrücken in der Wand, dass wieder Holz eingelegt werden kann. Gerade bei dicken Bruchsteinwänden ist das sinnvoll, wenn dort wieder Holzbalken sichtbar bleiben müssen. Die Wandtemperierung funktioniert aber auch bei Fachwerkhäusern und ganz normalen Ziegelsteinwänden wie in Schloss Gamehl bei der Sanierung 2006/2007 umgesetzt. Damals wurde auch ein erheblicher Hausschwammbefall in den Ziegelsteinwänden vorgefunden und es war aus wirtschaftlicher Sicht nicht möglich, hier das Regelverfahren einzusetzen. Aus diesem Grund wurde mit der Wandtemperierung die Feuchtigkeit aus der Wand herausgedrückt (der Taupunkt liegt auf der Oberfläche der Außenseite) und damit dauerhaft die Wand getrocknet. Der Hausschwamm ist dort nicht wieder aktiv aufgetreten.

Aus der Sicht des Verfassers ist diese Methode aber noch ausbaufähig. Gerade im Hinblick auf die energetische Sanierung alter Häuser ist die Wandtemperierung oder auch die Wandheizung zur Erzeugung von trockenen Bauteilen ideal geeignet. Durch die Trocknung wird auch dem Hausschwamm langfristig die Feuchtigkeit entzogen und er muss in der Wand dann nicht weiter berücksichtigt werden. Hier wird an die Ergebnisse von Theden erinnert der festgestellt hat, dass der Schwamm nach einem Jahr Trockenheit bei 20 °C nicht mehr auswächst.

Baubegleitung

Bei all diesen verschiedenen Varianten, die auch untereinander kombiniert werden können, ist es noch notwendig, dass eine regelmäßige Kontrolle nach der Sanierung und eine Kontrolle bei der Durchführung vorgenommen werden. Selten ist möglich, ein Gebäude vor einer Sanierung so gründlich zu untersuchen, dass ein vollständiger Überblick über alle Details entsteht. Deshalb sollte der Sachverständige direkt vor Durchführung der angepassten Sanierung die Baustelle besichtigen und noch einmal das Verfahren mit dem Anwender durchsprechen.

Wichtig ist auch bei einer grundlegenden Sanierung des Gebäudes, dass z. B. Architekten und Gebäudetechniker über das Verfahren informiert werden und nicht unbedingt dort, wo das stärkste Hausschwammvorkommen in der Wand ist, Anschlussrohre, Wasserleitungen etc. verlegt werden. Die Gefahr einer Leckage bei den modernen Verbindungstechniken ist nicht zu unterschätzen, bleibt häufig erst einmal unerkannt und führt unter Umständen zu einem umfangreichen Wiederaufleben des Schwamms (ist bei undichten Heizungsleitungen schon vorgekommen!).

Daraus resultiert, dass diese angepasste Hausschwammsanierung in den gesamten Bauablauf hineinpasst bzw. passen muss. Nach einer solchen Sanierung sollte das Gebäude mindestens drei Jahre besichtigt werden. Bekannt ist, dass nach einer misslungenen Hausschwammsanierung etwa zwei Jahre danach der Hausschwamm wieder in vollem Umfang am Wachsen ist. Mit einer gewissen Sicherheit sind nach drei Jahren ohne besondere Merkmale erst einmal die Hauptgefährdungen durch Hausschwamm beseitigt.

Dann kann alle 2-3 Jahre das Gebäude noch einmal besichtigt werden. Bei kleinen Bauvorhaben hört sich das sehr aufwendig an und wird sich auch wirtschaftlich nicht darstellen lassen. Bei großen Gebäuden ist der Kostenfaktor der Kontrolle eher gering im Verhältnis zu der Sanierungssumme und dort sind die Bauherren viel öfter bereit, längerfristige Kontrollen einzuräumen.

Werden grundsätzlich solche Kontrollen vorher nicht besprochen oder von den anderen Verantwortlichen abgelehnt, sollte auf alternative Sanierungen verzichtet werden.

Erfolgskontrolle gemäß DIN 68 800 Teil 4

Die neue DIN 68 800 Teil 4 gibt vor, dass jede Sanierung anschließend kontrolliert werden soll. Hier stellt sich die Frage, wie eine Hausschwammsanierung kontrolliert werden kann.

Beim chemischen Verfahren ohne zusätzliche Trocknung ist dem Verfasser keine Methode bekannt, die mit vertretbarem Aufwand eine Aussage zulässt, dass die Wand z. B. mit der ausreichenden Menge Schwammsperrmittel imprägniert ist. Ansonsten lässt sich bei der chemischen Methode die Trocknung der Wand messen (Gravimetrie) und kontrollieren. Nimmt die Feuchtigkeit wieder zu oder erst gar nicht ab, war die Maßnahme nicht ausreichend und wenig erfolgversprechend.

Bei der Hitzebehandlung werden häufig in geschützten Vorrichtungen Pilzgeflechte eingebracht und erhitzt. Das ist aber nicht repräsentativ. Außerdem hat diese Methode den Nachteil, dass erst einmal im Labor geprüft werden muss, ob das Schwammgeflecht wieder auswächst. Das dauert einige Tage. In dieser Zeit kann die Baustelle letztendlich nicht geräumt werden und unter praktischen Gesichtspunkten müssten dann auch die bei der Wärmebehandlung erreichten Temperaturen eingehalten werden.

Der Verfasser verwendet hier Datenlogger mit Bimetallthermometer und misst die Temperatur möglichst im geografischen Mittelpunkt des Bauteils. Wenn in einer feuchten Wand die Temperatur steigt, trocknet die Wand. Nach Abschluss der Arbeiten ist es dann möglich, mit einem langsam drehenden dicken Steinbohrer Bohrmehl aus tieferen Schichten zu fördern und mittels Gravimetrie oder CM-Messgerät den Wassergehalt zu messen.

Zurzeit laufen Versuche, mit eingebauten Elektroden und Wechselstrom Feuchtigkeitsgehalte in der Wand zu bestimmen. Es gibt auch eine Messanordnung, bei der in die Wand Holzproben eingelegt werden und deren Feuchtigkeitsgehalt über die Darr-Methode bestimmt wird.

Sinn dieser Maßnahme ist ja, dem Verarbeiter nach Erreichen der Zielwerte zu bestätigen, dass er seine Arbeiten sachgerecht ausgeführt hat. Insofern ist bei solchen Maßnahmen auch immer das Gutachten zu berücksichtigen. Ein Holzschutzgutachten muss so aufgebaut sein, dass daraus erkennbar ist, welche einzelnen Maßnahmen für die Sanierung berücksichtigt werden müssen. Somit muss auch die Erfolgskontrolle, die in der DIN gefordert wird, auf dieses Gutachten abgestimmt werden.

Inwieweit unter Berücksichtigung der VOB auf alternative Sanierungen eingegangen werden kann, weil ja der Text der DIN in der VOB als verbindlich anerkannt wird, muss an anderer Stelle entschieden werden. Bei den bisher vom Verfasser durchgeführten Sanierungen, die auch nur durch den Verfasser kontrolliert wurden, war die VOB kein Thema.

Da bei alternativen Sanierungen der Verfasser häufig auch während der Bauausführung zur Verfügung stand, konnten eventuelle Abweichungen unverzüglich während der Sanierung durch entsprechende Maßnahmen aufgefangen werden.

Anwendung alternativer Verfahren

Das ist auf den ersten Blick ein heikles Thema, bei genauer Betrachtung ist es gar kein Thema. Alle am Bau Entscheidungen treffende Personen müssen an einen Tisch. Da die Trocknung das Hauptthema ist, sollte auch der Holz- und Bautenschutzbetrieb (DHBV) mit eingeschaltet werden. Gemeinsam wird überlegt, wie effizient die Feuchtigkeit beseitigt werden kann und ob das auch von Dauer ist. Sind diese technischen Probleme geklärt, wird berechnet, was das System kostet und was die klassische Sanierung kostet. Aus dem Holzschutzgutachten sind die Risiken abzulesen. Jetzt ist klar, wo das Risiko bestehen könnte bei den unterschiedlichen Verfahren.

Dieses Besprechungsergebnis wird dem Bauherrn zur Entscheidung vorgelegt oder er wird gleich in die Diskussion mit eingebunden. Das Ganze wird schriftlich formuliert und der Bauherr trifft die Entscheidung. Damit sind dann die Wege geebnet für dieses andere Verfahren.

Zu beachten ist, dass bei Beauftragung des Holz- und Bautenschutzbetriebes auf der Basis VOB die DIN automatisch mit vereinbart ist. Daher bietet es sich an, dass der Verarbeiter auf der Basis BGB beauftragt wird. Das ist aber ein anderes Thema und kann hier nicht komplett aufgedröselt werden. Wichtig ist auch, dass der Sachverständige mit eingebunden wird in die Haftung, denn auf seiner Arbeit und Einschätzung beruht der Weg der alternativen Sanierung. Es geht also nur gemeinsam.

Schlussbemerkung

Diese Aufstellung ist als persönlicher Erfahrungsbericht des Verfassers zu verstehen. Es gibt mit Sicherheit je nach Objekt eine Vielzahl weiterer Varianten, die hier nicht in den Beschreibungen aufgeführt sind. Diese Ausarbeitung richtet sich an Sachkundige für die Festlegung der Sanierung, der Ausführende hat rechtlich auch andere Punkte zu berücksichtigen.

Es ist hoffentlich deutlich geworden, dass zur Auswahl eines Schwammsanierungsverfahrens genügend Erfahrung im Umgang mit dem Hausschwamm vorliegen muss. Somit sind die Beschreibungen der Verfahren hier auch nur als Anhaltspunkte zu sehen.

Es wird dringend davor gewarnt, eine Alternative zum Regelverfahren einfach nur durch Messwerte zu untermauern. Genauso wichtig ist die Festlegung der Parameter für die spätere Nutzung.

Für die unterschiedlichen Kennwerte bei den verschiedenen Mauerwerksarten stehen zurzeit nur persönliche Erfahrungen und Messungen zur Verfügung. Hier sollte mehr Transparenz geschaffen werden. Vielleicht kann das ja auch in dem zukünftig neu zu erstellenden WTA-Merkblatt Hausschwamm berücksichtigt werden.

Lastrup, den 11.12.13