Vorwort zum Kommentar DIN 68 800 Teil 4

Auf diesen Seiten finden Sie meinen Kommentar zur neuen DIN 68 800 Teil 4. Nachdem die DIN-Arbeit, ich selbst war im Arbeitskreis für Teil 4, soweit beendet war, wurde ich auf die Mitarbeit in einem Gremium angesprochen, dass den Kommentar zur DIN erstellt. Ich habe mir diesen Schritt sorgfältig überlegt.

Die Mitarbeit im Arbeitskreis 4 hat mir gezeigt, wie viele Interessen in der DIN vereint werden sollten und mussten. Praktisch jeder Anwesende hatte eigene Interessen, die im Rahmen der DIN zu berücksichtigen waren. Dabei wurde sehr sorgfältig abgewogen zwischen allseits bekannten Fakten, neuen Erkenntnissen und auch wirtschaftlichen Entwicklungen, die sich am Markt abzeichnen. Dazu ein Beispiel: Als Sonderverfahren wird in der neuen DIN 68 800 Teil 4 das Heißluftverfahren gegen den Hausschwamm eingesetzt. Es wird als thermisches Verfahren klassifiziert. Zu den thermischen Verfahren gehören auch elektrophysikalische Verfahren. Unter elektrophysikalischen Verfahren wird unter anderem auch die Mikrowellenanwendung berücksichtigt.

Während meiner Praxis habe ich mehrfach Hausschwammsanierungen mit Mikrowelle durchführen lassen. Das funktioniert. Allerdings waren diese Verfahren nicht unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten beschrieben. Damit hatte der DIN-Arbeitskreis nicht die notwendigen Grundlagen, auch die Mikrowellenanwendung als Sonderverfahren zur Hausschwammsanierung anzuerkennen.

Im Rahmen der Diskussion um dieses Verfahren wurde u. a. mitgeteilt, dass nicht erwartet werden kann, dass ein so junges Verfahren auf Anhieb in der DIN aufgenommen wird, wenn die Langzeitwirksamkeit noch nicht bekannt ist.  Immerhin hätten die Heißluftanwender ja auch fast 20 Jahre warten müssen……

Unter dem Gesichtspunkt, dass die DIN mit der Regelsanierung und den Sonderverfahren Bekämpfungsmethoden beschreibt, die überwiegend zum Erfolg führen können, ist ein solcher Standpunkt sicherlich verständlich, aber wenig förderlich für die weitere Entwicklung am Bau. Je nachdem, welchen Wissensstand der Leser hat hinsichtlich der Befolgung der DIN, ergeben sich daraus erst einmal Einschränkungen, die das Experimentieren mit neuen Verfahren erschweren. Insofern wurden hier durchaus wirtschaftliche Interessen vertreten, besonders aus dem Blickwinkel der Mitglieder des Arbeitskreises, die entsprechende Geräte und Techniken nicht verfügen.

Klar ist aber auch, dass die DIN nicht dazu verwendet werden kann, einzelnen Geräteherstellern oder Anwendern den Weg für höhere Verkäufe von Geräten, Bekämpfungen oder Dienstleistungen zu ermöglichen. Irgendwo muss dann doch ein höheres Fachwissen dokumentiert werden, um solche Sonderverfahren „DIN-tauglich“ zu machen. Gerade im Einspruchsverfahren, nachdem der Gelbdruck vorlag, wurden hierzu doch einige Kritikpunkte geäußert.

Unter dem Blickwinkel eines Mitglieds in einem solchen Arbeitskreis ist aber das Ergebnis in der DIN verständlich. Es nutzt niemandem, wenn moderne Verfahren beschrieben werden, die nur von wenigen Fachfirmen angewendet werden und somit zu einer starken Polarisierung am Markt führen würden. Die DIN stellt lediglich Allgemeinwissen da, für neue Verfahren ist weiterhin Pioniergeist erforderlich.

Insofern hat sich die DIN 68 800 Teil 4 aber wesentlich geändert. So wurde z. B. neu die Planung von Holzschutzbekämpfungsmaßnahmen aufgenommen, was zum Ausdruck bringt, dass hier tatsächlich eine richtige Bauplanung durch Sonderfachleute erforderlich ist. Zudem wurde die Regelsanierung allgemein beschrieben und in verschiedene Grundforderungen aufgeteilt. Das trifft auf die Sanierung von Pilz- und Insektenbefall zu. Daran kann sich in Zukunft für neue Systeme orientiert werden.

Wichtig ist auch die Beurteilung von Bekämpfungsmaßnahmen, die erstmals in einer DIN so klar gegliedert ist. Hier wird überall auf einen vorliegenden Untersuchungsbericht verwiesen, der wiederum in seinen Anforderungen in Kapitel 4 beschrieben wird.

Auch die Kennzeichnung der verschiedenen Maßnahmen ist nun einheitlich geregelt und neu aufgeführt ist die Gütesicherung, also eine nach der Bekämpfung durchzuführende Beurteilung, ob das, was ausgeführt wurde, sich an den in dieser Norm festgelegten Anforderungen orientiert. Damit kann beurteilt werden, ob die ausgeführte Maßnahme erfolgversprechend ist.

In der Vorgängerversion von 1992 war eine Passage eingeführt, dass bei Baudenkmälern auch andere Verfahren angewendet werden können. Dieser Hinweis in der deutlichen Form fehlt in der neuen Version. Es wurde bei der Ausarbeitung dieser DIN-Version von 2012 immer wieder auf den Kommentar verwiesen. Wenn aber die einzelnen Abschnitte dieses Teils 4 näher betrachtet werden, gibt es viele Hinweise auf Abweichungen hinsichtlich des Erhalts von bauhistorischer Substanz.

Angenehm fällt auf, dass der Angstpassus Hausschwamm nicht mehr vorhanden ist. In der alten Version wird darauf hingewiesen, wo der Pilzbefall nicht genau klassifiziert werden kann, so zu verfahren sei, als sei es Echter Hausschwamm. Hier wurde im Absatz 4 der neuen Version eine praxisgerechtere Lösung gefunden.

Der hier veröffentlichte Kommentar zur DIN 68 800 beruht überwiegend auf praktischen Erfahrungen draußen an der Baustelle. Um aber allzu große Abweichungen vom wissenschaftlichen Kenntnisstand zu vermeiden, wurden die Texte von entsprechenden Wissenschaftlern durchgesehen.

Abschließend noch ein Hinweis auf die Wertigkeit eines solchen Kommentars. Im Rahmen einer allgemeinen Anfrage beim Deutschen Institut für Normung wurde mitgeteilt, dass der Kommentar immer eine persönliche Meinung des Autors darstellt. Selbst wenn ein Kommentar im Beuth-Verlag vertrieben wird, ist er nicht Bestandteil der DIN und auch nicht als solcher anzusehen. Es ist lediglich ein Standpunkt des Gremiums, das diesen Kommentar erarbeitet hat. In diesem Gremium sind aber wenige Sachverständige vertreten, die ihre Arbeit tagtäglich draußen vor Ort verrichten. Aus diesem Grund ist auch ein Kommentar zur DIN erforderlich, der diesen Aspekt und die damit verbundene Tragweite von Entscheidungen darstellt.

Dieser Kommentar ist wie die DIN nicht rechtsverbindlich. Daraus können auch keine Schadenersatzforderungen abgeleitet werden. Letztendlich muss jeder, der sich mit diesen Themen in der Praxis befasst, sich selbst ein Bild über den Umfang der Schäden und die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen machen. Dieser Kommentar ist auch nicht gedacht, dem Inhalt der DIN zu widersprechen. Es sollen lediglich bestimmte Formulierungen in der DIN auch einmal aus dem Blickwinkel des Sachverständigen vor Ort beleuchtet werden.