Hausschwammsanierung mit der Mikrowelle

Die Heißluftmethode wird in Dänemark schon sehr lange zur Bekämpfung des Hausschwammes eingesetzt. Dort wurden auch die ersten Versuche mit Mikrowelle durchgeführt. Als problematisch wurde seinerzeit die Strahlenbelastung der Verarbeiter angegeben.

Mittlerweile wurden im Zuge eines Forschungsprojektes der DBU (Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Aktenzeichen 20232) sowohl das Heißluft- als auch das Mikrowellenverfahren weiterentwickelt mit dem Ergebnis, dass die geregelte Heißluft für die Behandlung ganzer Objekte bevorzugt wird und Mikrowellen für die Behandlung von teilweise befallenen Objekten günstiger angesehen werden. Zusammen mit der Tatsache, dass bei Hausschwamm es sich praktisch immer um teilbefallene Bereiche handelt und dem physikalischen Vorteil, dass Mikrowellen die Energie direkt im Inneren der Objekte erzeugen und so die Erwärmung wesentlich schneller vonstatten geht, ergibt sich bei Hausschwamm oft als optimales Verfahren die Mikrowelle. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass mittlerweile diese Methode als Sonderverfahren nach der DIN 68 800 Teil 4 eingestuft werden kann.

Des weiteren hat der Mikrowellen-Projektpartner des vorgenannten Forschungsprojektes, Herr Kohler von der Firma Kohler Automation,  neue Mikrowellengeräte hergestellt, bei denen die Ausbildung von Streustrahlung weitestgehend beseitigt ist. Damit lässt sich die Wirkung der Mikrowelle gezielt einsetzen. Bekämpfungsmaßnahmen nach diesem Verfahren wurden vom Verfasser bereits mehrfach gutachterlich begleitet. Nachfolgend werden einige Hinweise zur praktischen Durchführung gegeben.

Unter dem Aktenzeichen IV.1/7877 wurde in einem Untersuchungsbericht der BAM in Berlin die Wirksamkeit gegen Hausschwamm bestätigt. Hier wurde eine Holzprobe nach den Grundsätzen der Heißluftbehandlung gemäß WTA-Merkblatt 1-87 erwärmt. Hierbei wurden Temperaturen von 55 °C nicht unterschritten. Dazu musste wegen der Wärmeabgabe einmal nachbehandelt werden.

In seiner Diplomarbeit hat Herr Dr. Huckfeldt in einer Tabelle die Temperaturansprüche und Letaltemperaturen von Holz zerstörenden Pilzen aus Laborversuchen dargestellt. Hier wird für den Hausschwamm eine Letaltemperatur bei einer Stunde Einwirkzeit von 40 – 60 °C angegeben. Auch bei einer Einwirkzeit von 15 min wird die gleiche Temperatur angegeben. Mit zunehmender Behandlungsdauer nimmt die Letaltemperatur ab.

Worin besteht nun die Wirksamkeit der Mikrowelle gegen den Hausschwamm? Durch Erhitzung der Wand wird der Hausschwamm abgetötet. Gleichzeitig wird die Wand durch die entstehende Wärme getrocknet. Schon allein durch die Trocknung wäre der Hausschwamm nicht mehr in der Lage, sich weiter auszubreiten. Legt man die von Dr. Huckfeld veröffentlichten Letaltemperaturen zu Grunde, dann ist erkennbar, dass mit der Mikrowelle die Abtötung des Hausschwammes schneller möglich ist als die vollständige Trocknung der Wand.

Bei der chem. Sanierung werden "Schwammsperrmittel" eingesetzt. Sie töten den Hausschwamm nicht ab, sondern verhindern sein Weiterwachsen. Wird nun weiterhin Feuchtigkeit zugeführt, dann ist es möglich, dass diese "Schwammsperrmittel" soweit verdünnt werden, dass die Wirksamkeitsgrenze unterschritten wird. Hier bietet die Mikrowellentechnik völlig neue Aspekte. Nicht nur, dass die Wand anschließend trocken ist, sondern auch der Hausschwamm ist abgetötet (Holz und Wand). Das kann mit der chem. Methode so einfach nicht erzielt werden. Hierbei sind aber einige wichtige Punkte zu beachten.

Mit der Mikrowelle kann zerstörtes Holz nicht wieder tragfähig gemacht werden. Das bedeutet, dass die normalen Zimmermannsarbeiten ausgeführt werden müssen. Daher ist also die bereits von der chemischen Methode bekannte Sanierung des Holzes weiter erforderlich. Genauso ist es weiterhin erforderlich, in der Wand verbaute Hölzer zu finden. Bisher liegen keine über längere Zeit gesammelten Erfahrungen vor, wie sich z. B. vom Hausschwamm befallene Holzdübel in der Wand verhalten, wenn sie befallen waren und durch die Abtrocknung ein weiteres Wachstum des Hausschwamms nicht mehr möglich ist.

Es gibt auch Wandkonstruktionen, die sich nur mit erheblichem Energieaufwand trocknen lassen. Dafür ist die Mikrowelle weniger geeignet. Gedacht ist hier z. B. an eine Kelleraußenwand, die durchfeuchtet und vom Hausschwamm durchwachsen ist. Da die Mikrowellengeräte nur von einer Seite zu platzieren sind, gelangt die Strahlung nur in die äußere Schicht der Wand. Diese wird getrocknet. Dann müsste einige Zeit gewartet werden, bis aus den nicht getrockneten Bereichen die Feuchtigkeit sich im getrockneten Bereich wieder angeglichen hat. Das hat zur Folge, dass es sehr lange dauert, bis die Wand ausreichend abgetrocknet ist und sehr viel Energie benötigt wird.

Die Mikrowelle kann aber mit großem Erfolg an Wänden eingesetzt werden, wo die klassische chemische Sanierungsmethode versagt. Erfahrungen liegen vor in der Anwendung bei Bimswänden, Hohllochleichtziegelwänden, Porenbetonwänden, Gipswänden, Hohlblockwänden und Fachwerkwänden. Auch Lehm kann mit der Mikrowelle getrocknet und der Hausschwamm dabei abgetötet werden. Das ermöglicht die Durchführung von Schwammsanierungen, wo bisher nur der Ausbau des Mauerwerks oder das Entfernen des Holzes möglich war.

Die verwendeten Mikrowellengeräte sind so gebaut, dass die Strahlung gezielt in eine Richtung austritt. Durch die Mikrowelle wird Energie in die Wand transportiert. Ein Mikrowellengerät benötigt etwa 1,3 Kilowatt pro Stunde. Die Wassermoleküle richten sich in der Wand nach den Mikrowellen aus. Das erzeugt Reibung. Die Reibung verursacht Wärme. Die Wand wird also warm.

Eine feuchte Wand ist aber in der Lage, die Temperatur schnell wieder abzuleiten. Das heißt, zu Beginn der Mikrowellenbehandlung entsteht kaum eine gravierende Wärmeveränderung in der Wand. Je trockener die Wand wird, umso wärmer wird die Wand (solange überhaupt noch Restfeuchte besteht). Temperaturen von 80 °C sind ohne Probleme zu erreichen, allerdings abhängig von der Art der Wand und der Trockenzeit, die bereits vergangen ist.

Praktisch als Nebeneffekt ist bei der Trocknung der Wand gleichzeitig sichergestellt, dass der Hausschwamm auch abgetötet wird. Die als Letaltemperatur angegebenen Bereiche können ja auch überschritten werden. Genau da liegt auch der große Unterschied  gegenüber der chemischen Methode. Es wird keine Tränkflüssigkeit eingebracht, sondern sofort die Feuchtigkeit reduziert.

Wichtig ist, wie auch bei dem chemischen Verfahren, dass die Feuchtigkeitsursache erkannt und beseitigt wird. Ansonsten ist der Erfolg der Schwammsanierung in Frage gestellt. Dann funktioniert kein System. Ist die Feuchtigkeitsursache  aber beseitigt und die Wand trocken, dann ist auch von den verbliebenen Sporen nichts mehr zu befürchten. Trotzdem muss eine gewisse Hygiene an der Baustelle bezüglich der Hausschwammsporen eingehalten werden.

Durch die schnelle Trocknung der Wand wird auch die Sanierungszeit erheblich verkürzt. Je nach örtlichen Gegebenheiten ist es auch nicht notwendig, den Putz zu entfernen. Das muss aber jeweils vor Ort geprüft werden. Ebenso muss die Forderung der DIN 68 800 Teil 4 erfüllt werden, dass vor Beginn der Sanierung ein Untersuchungsbericht zu erstellen ist, in dem die Ausbreitung des Hausschwamms aufgezeigt wird.

Bei dieser Bekämpfungsmethode wird zur Dokumentation der Bekämpfung der Temperaturverlauf in der Wand bestimmt und aufgezeichnet. Weiterhin wird vor Beginn der Sanierung die Feuchtigkeit mit geeigneten Methoden bestimmt. Der Sanierungserfolg ist erzielt, wenn die Trocknung der Wand erreicht ist und zudem die für den Hausschwamm erforderlichen Mindesttemperaturen zur Abtötung des Hausschwammes überschritten wurden. Auf die baulichen Erfordernisse zur Vermeidung weiterer Feuchtigkeit in der Wand wird hier noch einmal hingewiesen.

Dieses neue Verfahren ermöglicht es bei sachgerechter Anwendung, in bestimmten Fällen im Wohnungsbau, im gewerblichen Bereich und bei Denkmälern eine Substanz schonende Sanierung im Vergleich zur chem. Methode durchzuführen. Dennoch hat auch dieses Verfahren seine spezifischen Grenzen. Wie immer gehört auch hier eine ausreichende Erfahrung im Umgang mit dem Hausschwamm dazu.

Joachim Wießner
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